Grünkohl: der norddeutsche Winterklassiker mit Kassler & Mettenden

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Grünkohl ist bei uns Familienrezept und jeden Winter gesetzt — norddeutsch-deftig mit Kassler, Mettenden und Speck, gebunden mit Haferflocken statt Mehl. Zwei Dinge machen den Unterschied: frischer Kohl (das Zupfen gehört bei uns dazu) und der Vortag — über Nacht durchgezogen schmeckt Grünkohl noch einmal deutlich besser. Warum er dafür keinen Frost braucht und wie das mit dem Aufwärmen wirklich ist, steht auch hier.

Geschmorter Grünkohl im Gusseisentopf mit Kassler-Scheiben und Mettenden, daneben Salzkartoffeln und Senf
Vorbereitung
15 Min.
Grillzeit
1 Std. 15 Min.
Gesamt
1 Std. 30 Min.
Portionen
4 Personen

Grünkohl ist bei uns ein Familienrezept, das jeden Winter auf den Tisch kommt — deftig-norddeutsch mit Kassler, Mettenden und Speck. Wir machen ihn konsequent aus frischem Kohl: Das Zupfen und Blanchieren gehört zum Ritual, und der Geschmack dankt es. Und das wichtigste Geheimnis vorweg: Der beste Grünkohl ist der von gestern — am Vortag gekocht und über Nacht durchgezogen spielt er in einer eigenen Liga.

Muss Grünkohl tatsächlich erst Frost abbekommen?

Grünkohl Saison ist klassischerweise im Winter. Vor allem viele ältere Menschen vertreten die Meinung, dass dieses Gemüse erst Frost abbekommen haben muss, damit er so richtig gut schmeckt. Das mag vielleicht ganz früher einmal so gewesen sein, ist aber heute nicht mehr zutreffend. Heutige Sorten sind so gezüchtet, dass sie bei jedem Klima einen perfekten Geschmack entwickeln und schon im September geerntet werden können. Dennoch hat sich diese Weisheit von Generation zu Generation weiterentwickelt.

Ist Grünkohl gesund?

Die bereits oben getroffene Aussage, Rezepte mit Grünkohl erfahren eine Renaissance als Superfood, kommt von von ungefähr: Das deftige Gemüse gehört zu den Lebensmitteln mit dem höchsten Anteil an Vitaminen und Mineralstoffen. Vor allem Vitamin C ist mit 105 bis 120 Milligramm je 100 Gramm besonders üppig enthalten – neben Vitaminen der B-Gruppe und Vitamin E. Außerdem enthält er blutbildendes Eisen und Mineralstoffe wie Kalium und Kalzium, die für einen gesunden Stoffwechsel wichtig sind. Und streng genommen macht der Superkohl auch noch schön, denn die enthaltenen Antioxidantien sorgen für eine elastischere Haut. Aber ganz ehrlich: Die dazugehörige Mettwurst, Kasseler und Speck sorgen ohnehin für eine Hautstraffung.

Darf man Grünkohl aufwärmen?

Wie viele Schmorgerichte wie Gulasch oder Eintöpfe schmecken auch Grünkohl Gerichte nochmal besser, wenn er über Nacht gezogen hat und sich die Aromen ausgebreitet haben. Es hält sich allerdings das Gerücht, dass man ihn nicht aufwärmen darf. Im Netz wird dabei oft vor Nitrat gewarnt. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Allerdings kommen Experten in der Zeitschrift "Lecker" (Ausgabe Februar 2022) zu der Erkenntnis, dass erst bei mehrmaligem Aufwärmen ein erhöhter Nitratwert entsteht. Von daher: Entwarnung! Ihr könnt das Gemüse ohne Probleme aufwärmen und erneut genießen. Einfach rund 2 Minuten bei mittlerer Temperatur im Topf und unter Rühren erhitzen.

Zutaten für 4 Personen

4 Personen
  • 1,5 KgGrünkohl
  • 4kleine Zwiebeln
  • 500 gKasselernacken
  • 1 lGemüsebrühe
  • 50 gSchweineschmalz
  • 4Mettwürste und/oder 250 g geräucherten Speck
  • Pfeffer
  • Salz
  • Piment
  • 2 ELSenf
  • 5 ELHaferflocken

Zubereitung

  1. Grünkohl von den Blattrippen zupfen, Grünkohl putzen und 2 Minuten in Salzwasser kochen. Anschießend in ein Sieb gießen und mit kaltem Wasser abschrecken. Sobald der Grünkohl etwas abgekühlt ist, diesen ausdrücken und grob hacken.

  2. Zwiebeln schälen und in Würfel schneiden. Kasselernacken in Scheiben schneiden. Gemüsebrühe in einem separaten Topf erwärmen. Schweineschmalz in einen großen Topf geben und erhitzen. Kasslernacken darin 2 Minuten von jeder Seite anbraten, damit schöne Röstaromen entstehen. Danach die Zwiebeln im Topf glasig dünsten. Gehackten Grünkohl hinzugeben und mit der vorgewärmten Gemüsebrühe aufgießen. Kurz aufkochen lassen und anschließend mit geschlossenem Deckel 45 Minuten bei geringer Temperatur schmoren .

  3. Mettwürste einstechen. Nach 45 Minuten die Mettwürste auf den Kohl legen, Deckel wieder schließen und weitere 30 Minuten schmoren — dabei die Würste nur ziehen lassen: Kocht der Kohl sprudelnd, platzen sie aus. So geben sie ihr herrliches Räucheraroma an den Grünkohl ab. Alternativ oder als Ergänzung kann der Speck hinzugegeben werden. Gelegentlich umrühren oder etwas Wasser hinzugeben.

  4. Nun die Mettwürste, Kasseler und ggf. den Speck aus dem Grünkohl fischen und warm stellen. Grünkohl mit Pfeffer, Salz, Piment und Senf abschmecken. Haferflocken nach und nach hinzugeben — der norddeutsche Binde-Trick: Sie machen den Grünkohl sämig, ohne wie Mehl zu klumpen. Anschließend den Grünkohl wieder zusammen mit Kasseler, Mettwürsten und Speck servieren.

Nährwerte pro Portion

Kalorien
149 kcal
Eiweiß
11 g
Fett
6 g
Kohlenhydrate
21 g

Tipps & Tricks

Perfekt zu Grünkohl passen klassische Salzkartoffeln oder Bratkartoffeln sowie ein frisches, kühles Bier.

Wer ein ganz besonderes Aroma haben möchte, der bereitet den Grünkohl am Vortag zu und lässt ihn über Nacht ziehen. So entsteht ein ganz besonderer Geschmack.

Häufige Fragen

Muss Grünkohl wirklich erst Frost abbekommen?

Nein — das war früher einmal so. Heutige Sorten entwickeln ihren Geschmack ohne Frost und werden teils schon ab September geerntet. Die alte Bauernregel hält sich trotzdem hartnäckig.

Warum schmeckt Grünkohl am nächsten Tag besser — und darf man ihn aufwärmen?

Wie bei Gulasch und Eintöpfen ziehen die Aromen über Nacht durch — deshalb kochen wir ihn grundsätzlich am Vortag. Aufwärmen ist dabei unbedenklich: Erst mehrmaliges Aufwärmen lässt die Nitratwerte steigen. Einmal schonend erhitzt ist er sogar auf seinem Höhepunkt.

Womit bindet man Grünkohl?

Mit Haferflocken — der norddeutsche Trick. Nach und nach einrühren, bis die Konsistenz sämig ist. Anders als Mehl klumpen sie nicht und bringen sogar etwas Biss mit.

Was ist Grünkohl mit Pinkel?

Die Bremer Variante: Pinkel ist eine geräucherte Grützwurst, die dort statt oder neben den Mettenden in den Kohl kommt. Bei uns kommen Kassler, Mettenden und Speck hinein — die Pinkel überlassen wir ehrlicherweise den Bremern.

Frischer Grünkohl oder TK?

Wir nehmen immer frischen — das Zupfen gehört dazu, und der Geschmack ist es wert. Wer Zeit sparen muss: TK-Grünkohl ist bereits blanchiert und funktioniert im Rezept, das Blanchieren in Schritt 1 entfällt dann.

Welche Beilagen passen zu Grünkohl?

Klassisch Salzkartoffeln oder Bratkartoffeln, dazu Senf zu den Mettenden — und ein frisches, kühles Bier gehört im Norden einfach dazu.

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